Home
Das Boot
Revier 1
Revier 2
Fotos
Havel Boot Forum
Revierwetter
Bordküche
Reise & Urlaub
Kontakt
Gästebuch


( Impressionen... )

... es ist einer jener frühen Sommertage, an denen der Morgennebel als seidiger, weißer Dunst aus der Havel steigt, sich als tropfender Tau an Deck und Reling verfängt und hartnäckig der kraftvollen Morgensonne zu widerstehen versucht. Ich liege vertäut in einem Hafen der Oberhavel unweit des Dom`s und beobachte verschlafen diesen ungleichen Kampf. Der Fluß, der sich hier als kleiner Seitenarm in die Stadt einschneidet, verbreitet seinen eigenen Geruch nach silbrigen Fisch, der sich mit dem des feuchten Schilfes an der Uferseite vermischt. Unter dem Bug lassen die morgendlichen Spiele junger Barsche das Wasser kleine Wellenringe schlagen, die mit der trägen Strömung davongetragen werden. Noch bevor der Tau der aufsteigenden Hitze gänzlich weichen kann, betritt der Skipper das Deck. Ungeduldig warte ich auf das Einholen der Leinen. Endlich quirlt die Schraube und schiebt das Boot langsam aus dem Liegeplatz in Flußmitte. Der kleine Diesel bringt mich voraus in Richtung Mühlenbecken am Dom und ich beginne meine Fahrt mit kräuselnder Bugwelle im sonnentrunkenen Flußlauf. Den Weg durch die grünen und roten Fahrwassertonnen Richtung Mühlenbruch einschlagend, erhebt sich achtern die langsam kleiner werdende Silhouette der Brandenburger Neustadt mit ihrer prächtigen Katharienkirche. Am Ufer der Dominsel hantieren Fischer in länglichen Stahlbooten und harren gespannt, was ihnen in die Netze gegangen ist. Aale, Hechte, Zander, Karpfen und manch schmackhaften Weißfisch bieten sie fangfrisch in den kleinen hölzernen Verkaufsläden unmittelbar an ihren Bootsstegen feil. Selten kommt es vor, daß sich kein würziger Geruch frisch geräucherten Fischs verlockend über die Dominsel legt.
Vorbei an bis in Flußmitte gestellter Reusen, geben an backbord mächtige Weiden, die ihre Wurzeln fest in den feuchten Boden des Havelufers gekrallt haben, durch ihre Kronen den Blick auf den Dom frei. Die "Wiege der Mark Brandenburg" strahlt im schlichten Glanz eine beschauliche Ruhe aus, die verheimlicht, welch wertvolle Zeugnisse der über 1000jährigen Geschichte Brandenburgs sie in ihren Innern birgt.

Langsam geht der Flußverlauf in einer leichten rechten Kehre in den Stadtkanal über und mit dem Vorbeifahren an erlenbewachsenen, den Mittelbruch säumende Inseln, verliert sich die Stadt aus dem Blick. Das Licht der steigenden Morgensonne verleiht dem ruhigen Wasser einen feinen Glanz und reflektiert sich in grünblauer Färbung ständig wider, um im nächsten Moment durch das Achterwasser in schäumende Gischt verwandelt zu werden. An beiden Seiten des Ufers umrahmt üppiges Schilf den breiter werdenden Stadtkanal. Mit dichtem Wuchs und stattlicher Höhe mag es in früheren Zeiten manch Reedbauern zu ergiebiger Ernte verholfen haben oder als Matte und Dach verarbeitet worden sein, mir versperrt es fast die Sicht auf die weitgezogene Auenlandschaft.

Auf langen Watbeinen stelzt ein Fischreiher am Röhrichtrand, den grauweißen Hals gebogen, auf der Suche nach Fischen, Frösche, Eier oder Wasserratten. Seine Art säumt fast überall das Ufer oder die Kronen der Erlen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Haupthavel und reihen uns stromaufwärts hinter Sportbooten ein. Ein Talfahrer der Binnenschifffahrt, der es eilig hat stromab zu schleusen, verursacht eine enorme Sogwirkung und erinnert an die Einhaltung eines genügend großen Sicherheitsabstandes. Ich genieße dennoch den anschließenden Tanz seiner Heckwellen und wippe vergnügt mit dem Bug durch die Wellentäler. Dem Skipper scheint der Verkehr nicht zu behagen, nach wenigen hundert Metern verläßt er die Haupthavel und biegt backbord in die alte Steinehavel ein. Diese umschließt den Steinbruch, eine heute verwilderte Insel von ca. 1 km² Fläche, auf der einstmals die Domherren den Fischern das Recht einräumten, als Nebenerwerb Vieh zu weiden. An ihrer Südspitze treffen sich oftmals Angler oder Wasserwanderer, die eine kleine Lichtung nutzen, um Zelte aufzuschlagen und die Oase nachts vom Lagerfeuer erhellen zu lassen.
In sanfter Rundung, vorbei an der ehemaligen Karpfenzuchtanlage und einigen winzigen, dem Wildwuchs abgerungene Parzellen, mündet der Nebenarm westlich wieder in die Havel, die sich hier buchtartig verbreitert und an deren Nordufer der Ortsteil Klein-Kreuz mit seinen Weinbergen zu sehen ist. Wie auf einer Perlenschnur hocken Möwen auf Reusenstangen und dösen in den blauen Himmel, dessen Zirruswolken feinen weißen Federn gleichen.

Dem Ruderblatt gehorchend, kreuze ich den Fluß auf kürzestem Weg und folge dem  kleinen Fließ, das sich eng durch den Schilfgürtel windet. Urplötzlich legt sich die Brise und über dem Wasser des schmalen Nebenarms liegt eine drückende Wärme, die eine Vielfalt unterschiedlicher Insekten in Schwärmen auf seiner Oberfläche tanzen und kleine Fische emporschnellen läßt. Aus der Fließmitte ragt ein abgestorbener Baumstamm hervor und zwingt mich, eng an der Reedkante vorbei, unter tiefhängenden Ästen efeuberankter Bäume zu gleiten. Vereinzelt sehe ich abgestorbene Hölzer, die kräftig blühenden Farnen und Blumen Wirt bilden.

Die Luft frischt etwas auf und es öffnet sich der baumumsäumte Wuster See. Sein klares Wasser läßt die Sonnenstrahlen tief eindringen und das Licht dunkelblau an diesen wieder emporklettern. Wie ein Teppich liegen ganze Seerosenfelder auf weiten Teilen des Waldsees und verzaubern mit ihrem Wechsel sich schließender und öffnender Blüten. Eine moosige Lichtung am Ufer, das so steil abfällt, daß ich wie an einer Kaimauer längst festmachen kann, ist das Ziel einer kleinen Rast des Skippers und ich muß nicht lang warten, bis sich das Knistern des Grills vernehmen läßt.

Auf gleichem Wege führt die Strecke zur Havel zurück. Hinter Klein-Kreuz mit seinem Hafen grüßt an km 48,5 die restaurierte Dorfkirche von Saaringen. Die vorgelagerten Inseln passieren wir nicht mehr, der Skipper schlägt den Kurs hart steuerbord. Wir tauchen ein in eine märchenhafte Landschaft - die Krumme Havel.
In Abgeschlossenheit und Ruhe schlängelt sie sich urwaldähnlich durch den Schatten kräftiger Eichen, an ausgedehnten Röhrichtgesellschaften mit unzähligen breitblättrigen Rohrkolbengewächsen, an Erlenbrüche und Auengebüsche vorbei. Feuerfalter nutzen die Blüten der Orchideen zur Rast, ein Buntspecht unterbricht die zeitlose Stille mit melodiösem Getrommel. Geschickt schwimmen Haubentaucher durch die Seerosenblätter. In einer kleinen Mulde versteckt schmiegt sich das Haveldorf Gollwitz mit seinem Schloß, dem jahrhundertlangen Adelssitz derer von Rochows, bis an die Krumme Havel heran. Die Landschaft öffnet sich hinter dem Dorf, der Fluß wird kurviger. Ein kräftiger Geruch frischer Getreidehalme zieht durch die Luft, gemischt mit dem Duft der rotsamtenen Blätter des Klatschmohns. Nach einigen Biegungen werden wir stetig. Die Emster ist erreicht.

Die Emster ist ein schmales Flüßchen und bei Niedrigwasser teilweise nur knapp einen Meter tief. Um 1870 wurde sie schiffbar gemacht und in guten Zeiten fuhren täglich bis zu 200 Kähne ihre Ladung aus den umliegenden Ziegeleien in das aufstrebende Berlin. Später verkrautete sie stark und erst seit jüngerer Zeit ist ein Befahren mit dem Boot wieder möglich. Größere Boote meiden eine Einfahrt, hat doch ihre seichte Tiefe schon etlichen Schiffsschrauben bös zugesetzt.
Die Baumkronen schlagen beidseitig in der Mitte zusammen und wir gleiten mit halben Schwert und gelegten Mast behäbig wie in einem Tunnel durch das flache aber idyllische Gewässer. Vereinzelt begegnen uns Ruderer in ihren Faltbooten und Kanus. Der feine, fließartige Verlauf der Emster erinnert unwillkürlich an die Spreewaldlandschaft. Im Verlauf lichten sich die Bäume und die Sicht über weite Gras- und Wiesenlandschaften baut sich auf. Bienen summen in den Sumpfdotterblüten, in den Wellen funkeln Blitze und in lichtvoller Wärme verliert sich die Zeit.

Der Skipper kämpft mit den Bremsen, die scharenweise aus den feuchten Zonen in Ufernähe aufsteigen. Graureiher erheben sich vor dem Bug und fliegen mit angezogenen Hals vor uns her. Ungewöhnlich farbenprächtig sitzt ein Eisvogel mit funkelblauem Gefieder auf einem Schilfstock, um urplötzlich ins Wasser zu stoßen. Im dolchartigen Schnabel ein kleines Fischchen haltend, fliegt er zur steilen Uferkante zurück. Etwa vier bis fünf dieser sehr seltenen Vögel teilen sich das langgestreckte Revier.
Nach sechs Kilometer Fließfahrt versperren mittig in den Fluß gestellte Reusen den Fischen den Weg und wir gelangen durch ihre eng gehaltene Durchfahrt in den Rietzer See.

Weit öffnet sich der Blick über den Flachsee, der als Naturschutzgebiet durch die Vogelschutzwarte sehr bekannt ist. Kranich, Zaunkönig, Seeadler, Turmfalke, Bartmeise, Bussard, Stockente, Kormoran... weit über 260 Vogelarten gilt das Interesse der Hüter dieser einmaligen Vogelwelt. Schier unendliche Schilfflächen und Niedermoore verhindern eine Bebauung der Ufer, nur der gleichnamige Ort Rietz duckt sich am Nordrand des Sees. Mit abgestelltem Motor treibe ich lautlos in der Weite des Sees. Dunkel und still liegt das Wasser, kaum fähig, das Grün der Umgebung zu spiegeln. Der See verlandet. Am Horizont zerfliessen die Konturen der Baumreihen in der flirrenden Hitze. Kleine weiße Punkte in der Ferne zeigen die Einfahrt in die Emster an. Wir halten uns in der Fahrrinne, um nicht auf einer der zahlreichen Untiefen außerhalb zu stranden. Die Schraube zieht bräunliches Achterwasser empor, das durch unzählige Bläschen geziert wird und einen Schwarm kreischender Lachmöwen zur Beutejagd nach aufgespülten Fischen anlockt. An Stellreusen vorbei, schluckt uns wieder die Emster.

Beiderseitig ist das Ufer mit Faschinen befestigt, die zum Teil als lückenlos schließende Holzpfähle, zum Teil als Reisigwände das Ufer vor dem Ausspülen schützen. Backbord versperrt dichter Bewuchs die Sicht aus den Kanal, steuerbord dehnt sich in offener Ebene weitläufige Agrarlandschaft aus. Ein seltener Anblick: auf kräftigen Beinen mit schwarz, grau, braun gefärbtem Rückengefieder recken zwei Großtrappen ihre Hälse empor. Trat dieser "märkische Strauss" früher so massiv auf, das er Schäden in der Landwirtschaft anrichtete, so gibt es heute kaum noch 70 Tiere, die fast ausnahmslos alle im Land Brandenburg leben.

Nach drei Kilometern, hinter einer hölzernen Strangbrücke, beginnt der Netzener See. Langgezogen und sauberen Wassers, ähnelt er so gar nicht dem kürzlich überquerten See. Waldreich, mit Naturstränden, einem Hotel und vielen Bungalows am Ufer, ist er Erholungsgebiet zahlreicher Urlauber. Kleine Segelboote, Schlauchboote, Ruderer und Paddler kreuzen hin und her. Ein Fahrgastschiff liegt am Anlieger des Hotels vertäut. Nichts deutet darauf hin, daß im Norden des Sees ein weiteres Gewässer durch Aufstauung entstand: der Strengsee. Er ist der ruhige Brut-und Rastplatz tausender Vögel.
Die Badenden am Strand der Ortschaft Netzen genießen die leichte Brise lauer Luft und das Schmeicheln wohliger Sonnenstrahlen am Nachmittag. Nach einer Kreuz wirft der Skipper in Seemitte den Anker und taucht in die blaugrünen Fluten ab. Ich treibe um die Ankerleine und vergnüge mich am Glucksen des Wassers an der Bordwand. Bald verlassen wir den Platz und streben dem Ende des Sees entgegen. Unter die Autobahnbrücke der A2 hindurch fließt die Emster mitten durch die Ortschaft Nahmitz. Eine weitere schmale Brückendurchfahrt trennt die Bordwand nur wenige Zentimeter vom glitschigen Stein der Stützpfeiler. Etliche Weiden säumen die befestigten Ufergrundstücke der Gärten und verteilen feinen gelben Staub ihrer Blüten über das Deck. Beschauliche Ruhe liegt über den Ort. Ein kleines Schild backbords an einen Anlieger lädt in die Wirtschaft seiner Besitzer ein.

Mit rot-weißen Bändern geschmückt, lassen einige Meter weiter staksige Reusenstangen eine schmale Einfahrt in den Klostersee zu. Ich ziehe eine Furche in das stahlblaue Wasser des Waldsees, das glühende Spiegelbild der Sonne durchschneidend. Ein Schwanenpaar schwingt sich auf den auslaufenden Wellen und aus dem Waldkranz des Ufers schreit warnend ein Eichelhäher. Dem Knick des Sees folgend, nähert sich ein Geschwader von Segelbooten auf Regattakurs. Steuerbord kommt ein Campingplatz zum Vorschein, am anderen Ufer toben Kinder auf der Wasserrutsche des Strandbades. Die Holzstege der Segelsektion des SV Kloster Lehnin werden von schaulustigen Regattabesuchern in Beschlag genommen. Lehniner Segler sind weithin bekannt für ihre alljährlichen Wettkämpfe, die mit zünftigen Bällen in der Bootshalle schließen und Gäste von überall anlocken.

Fast unsichtbar, unter dicken Baumkronen verborgen, naht die Emster ihrem Ausgangspunkt. Vorsichtig und immer bedacht keine Grundberührung zu bekommen, tasten wir uns noch einen Kilometer weit bis zur Straßenbrücke in den Ort hinein. Backbord zeigt sich erhaben die Zisterzienser Abtei Lehnin - das älteste Kloster der Mark Brandenburg. Ein kleiner Steg bietet Gelegenheit festzumachen. Ich spüre die Tampen um die Klampen und der Skipper verschwindet ortseinwärts. Die Hinfahrt hat ihr Ende gefunden und schmunzelnd denke ich an das kommende Fluchen des Skippers, wie er seine späte Rückreise beim Setzen der Positionslampen kurz vor Erreichen der Havel kommentieren wird. Aber ich liebe Heimfahrten im Sonnenuntergang, wenn die Sonne einer Ankerkugel gleich in den Fluß abtaucht und die Wolkensäume als purpurrote Girlanden am Himmel zurücklässt...







Top